Wie wirken sich Antibiotika auf die Darmflora aus?

Darmprobleme nach Antibiotika-Einnahme

Durch die Einnahme von Antibiotika werden nicht nur Krankheitserreger bekämpft, sondern wird auch die natürliche Darmflora beeinträchtigt. Viele der häufig verschriebenen Antibiotika wirken nicht nur gegen einen Krankheitserreger. Vielmehr bekämpfen sie eine Vielzahl verschiedener krank machender Bakterien. Sogenannte Breitspektrum-Antibiotika schaden daher der Darmflora umso stärker. Eine Untersuchung zeigt am Beispiel Ciprofloxacin, dass bis zu einem Drittel der Darmflora zerstört wird.*

Normalerweise bildet die Darmflora eine Schutzbarriere auf der Darmschleimhaut. Da Antibiotika auch die Anzahl gesunder Mikroorganismen verringern, kann diese Schutzbarriere lückenhaft werden – krank machende Keime oder Pilze (z. B. Clostridium difficile und Candida albicans) finden so direkt an der Darmschleimhaut Platz. Dort eingenistet vermehren sie sich und können Giftstoffe bilden, welche das darmgebundene Immunsystem zusätzlich schwächen. Weicher Stuhl, Leibschmerzen und Durchfall sind oft die unangenehme Folge. Bis zu einem Drittel der Durchfälle im Zusammenhang mit Antibiotika gehen auf die übermäßige Vermehrung von Clostridium difficile zurück.

*Quelle: The pervasive effects of an antibiotic on the human gut microbiota, as revealed by deep 16S rRNA sequencing. Dethlefsen L, Huse S, Sogin ML, Relman DA (2008) PLoS Biol 6(11): e280.

Welche Arzneimittel helfen bei Durchfall nach
Antibiotika-Einnahme?

Kommt es während bzw. nach einer Antibiotika-Einnahme zu akuten Darmproblemen, können rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke helfen. Es sollte allerdings geklärt sein, dass der Durchfall eine Nebenwirkung des Antibiotikums ist. Bitte beachten: Grundsätzlich ist bei Durchfällen, die länger als zwei Tage anhalten, Blutbeimengungen aufweisen oder mit Fieber und Kreislaufstörungen einhergehen, ein Arzt aufzusuchen!

Abhilfe bei Durchfall oder weichem Stuhl kann beispielsweise die probiotische medizinische Hefe Saccharomyces boulardii schaffen. Diese kann die Durchfall hervorrufenden Erreger und die von ihnen produzierten Gifte binden und somit die akuten Symptome wirkungsvoll bekämpfen. Zur Darmregeneration (vor allem nach der Antibiotika-Therapie) werden bevorzugt Präparate mit Milchsäure produzierenden Bakterien (Lactobazillen, Bifidobakterien) eingesetzt. Sie gehören zur permanenten darmeigenen Bakterienflora, können sich im Darm ansiedeln und fördern die Neubesiedelung der Darmflora mit gesundheitsfördernden Milchsäurebakterien. So wird die Wiederherstellung einer natürlichen Darmflora unterstützt.

Neben einer Reihe weiterer Arzneimittel mit „natürlichen“ Wirkstoffen gibt es auch solche mit synthetischen Wirkstoffen, die bei Durchfall angewendet werden können und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Jedoch eignen sich nur wenige bei Antibiotika-verursachtem Durchfall (sogenannter Antibiotika-assoziierter Diarrhö). So kommen z. B Arzneimittel, welche die Darmbewegung hemmen (sogenannte Motilitätshemmer wie Loperamid), meist nicht in Frage, da sie die Ausscheidung der Krankheitserreger behindern würden. Auch Medikamente mit dem Wirkstoff Racedocatril dürfen speziell bei Durchfall aufgrund von Antibiotika-Einnahme nicht angewendet werden. Ihre Apotheke berät Sie gerne bei der Präparateauswahl. Hier können Sie auch erfahren, welches Arzneimittel für welche Altersgruppe geeignet ist.

Allgemeine Tipps bei Durchfall:
  • Viel trinken, um Flüssigkeitsverlust auszugleichen (gilt besonders für Kinder und ältere Menschen), Getränke sollten Zimmertemperatur haben
  • Körperliche Anstrengungen unterlassen
  • Schwer verdauliche und stark gewürzte Speisen meiden, leichte Kost wählen
  • Auf Hygiene achten, nach jedem Toilettengang Hände gründlich waschen und desinfizieren
  • Handtücher allein benutzen
Darmprobleme trinken

Information

Wann kann es zu Durchfall kommen?

Interessant zu wissen: Durchfall kann auch erst mehrere Wochen nach der Antibiotika-Behandlung auftreten. Aus eigener Kraft kann der Körper das natürliche Gleichgewicht der Darmflora zwar meist wiederherstellen, dieser Prozess benötigt jedoch Zeit und kann sich durch anhaltende bakterielle Fehlbesiedelung der Darmflora mit ungünstigen Keimen deutlich verlängern.

Können Probiotika den Antibiotika-
verursachten Durchfall lindern?

Probiotika mit z. B. Milchsäurebakterien und Bifidobakterien helfen im Rahmen einer Aufbaukur zur Regeneration der Darmflora nach Abschluss der Antibiotika Therapie. Die genaue Einnahmedauer hängt von den Symptomen, der Stärke der Beschwerden und der Art des Präparates ab. Genauere Therapieempfehlungen finden Sie in den Packungsbeilagen.

Die simultane Einnahme von Probiotika während der Antibiotika-Therapie ist möglich, wird jedoch selten empfohlen, da durch Antibiotika auch die nützlichen Bakterien in probiotischen Arzneimitteln angegriffen werden können. Soll dennoch bereits während der Therapie mit Antibiotika ein Probiotikum die natürliche Darmflora stärken bzw. dem Durchfall entgegenwirken, empfiehlt sich, außer bei medizinischer Hefe, die zeitversetzte Einnahme. Ein Abstand von mindestens zwei Stunden zwischen der Einnahme von Antibiotikum und Probiotikum sollte eingehalten werden.

Darmprobleme Packungsbeilage