Welche Funktionen haben Darm und Darmflora?

Gesunde Darmflora, gesundes Immunsystem

Der Darm ist eines der bedeutendsten Organe des Menschen. Er ist nicht nur für die Verdauung verantwortlich, sondern auch für das allgemeine Wohlbefinden. Vom berühmten finnischen Wissenschaftler und Ernährungsreformer Are Waerland (1876-1955) stammt der Satz „Der Schlüssel zur Gesundheit liegt im Darm“. Nicht von ungefähr, denn der Darm hat z. B. entscheidenden Einfluss auf das Immunsystem: 70 % der menschlichen Abwehrzellen befinden sich im Darm. Hier werden Millionen chemischer Substanzen analysiert, gefährliche Gifte und Infektionserreger erkannt und bekämpft.

Wie unterstützt die Darmflora die
Darmfunktionen?

Darmflora Darmfunktion

Der Darm funktioniert nur dann problemlos, wenn die Darmflora intakt ist. Dazu gehört die ausgewogene Besiedelung einzelner Darmabschnitte mit den dort siedelnden Bakterien.

Die Bakterien der Darmflora helfen dem Darm dabei,

  • das darmgebundene Abwehrsystem zu unterstützen. Die Aufgabe des Immunsystems im Darm ist es, krank machende Keime und Bakterien zu erkennen und einzudämmen. Die Darmflora produziert Milchsäure, die den pH-Wert im Darm senkt und somit das Wachstum unerwünschter Bakterien erschwert. So können Darminfektionen abgewehrt werden.
  • Nahrungsbestandteile wie Ballaststoffe aufzuspalten. Von diesen Nahrungsbestandteilen können sich die Darmbakterien ernähren und vermehren. So wird eine gesunde Darmflora aufgebaut.
  • lebensnotwendige Stoffe (wie Vitamin B12, Folsäure, Biotin) zur Verfügung zu stellen, die der Mensch weder selbst produzieren noch über die Nahrung ausreichend aufnehmen kann.

Die Darmflora unterscheidet sich in beiden Darmabschnitten in der Zusammensetzung der Mikroorganismen: Während im Dünndarm u. a. viele Laktobazillen vorhanden sind, bevölkern den Dickdarm verstärkt Bifidobakterien. Daher ist es bei Darmbeschwerden sinnvoll, die Darmflora gleichzeitig mit beiden Bakterienstämmen aufzubauen.

Wie unterstützt die Darmflora die Abwehr
von Krankheitserregern?

Darmflora Abwehr

Neben den wichtigen Aufgaben für die Verdauung erfüllt die Darmflora auch eine entscheidende Schutzfunktion gegen Krankheitserreger. So leistet sie ihren Beitrag zu unserem hochkomplexen Abwehrsystem, welches die Wissenschaftler noch zu entschlüsseln versuchen. Durch die Besiedelung der Darmschleimhäute steht die Darmflora in engem Kontakt mit dem darmgebundenen Immunsystem und somit an vorderster Verteidigungslinie des Körpers.

Die Darmflora hat drei Mechanismen, um Krankheitserreger abzuwehren:

Funktion als Schutzbarriere

Schon allein dadurch, dass die physiologische Darmflora die Darmoberfläche besiedelt, verhindert sie die Anlagerung fremder, möglicherweise krank machender Keime, indem sie ihnen Lebensraum und Nahrung streitig macht. Die guten Keime stimulieren zudem die Schleimproduktion in der Darmschleimhaut. In einem so rutschigen Umfeld gelingt es fremden Keimen nur schwer, „Fuß zu fassen“. Das physikalische Abwehrsystem wird dadurch weiter verstärkt, dass die natürliche Darmflora die Darmbewegung fördert und so dafür sorgt, dass eindringende Keime schnell wieder ausgeschieden werden.

Produktion von Abwehrstoffen

Die natürliche Darmflora produziert Substanzen, die den eindringenden Mikroorganismen das Leben erschweren. Beispielsweise können einige Bakterien der natürlichen Darmflora Giftstoffe bilden, um eindringende Keime zu hemmen. Zudem wirken einige Stoffwechselprodukte der natürlichen Darmflora, wie auch Milchsäure oder Wasserstoffperoxid, antimikrobiell. Die von lebenden Laktobazillen und Bifidobakterien produzierte Milchsäure führt zu einer Absenkung des pH-Werts, wodurch das Wachstum anderer Bakterien, z. B. von Fäulnisbakterien, reduziert wird. Die Darmflora besitzt noch eine weitere positive Eigenschaft: Sie ist in der Lage, die Zellen des Darmepithels so zu stimulieren, dass diese u. a. Bakterizide produzieren. Dabei handelt es sich um Substanzen, die unerwünschte Bakterien abtöten. Auch antimikrobielle Peptide werden in der Darmflora produziert – also Substanzen, die ebenfalls die Anzahl schädlicher Mikroorganismen reduzieren.

Immunstimulation – Immunmodulation

Eine weitere wichtige Aufgabe der Darmflora ist die Stimulation und Regulierung des darmassoziierten Immunsystems. Die Darmflora fungiert hier als „Trainingspartner“. Die Immunzellen setzen sich permanent mit den natürlichen Darmbewohnern auseinander. So werden sie richtig auf Trab gehalten, damit sie im Falle eines „Angriffs“ durch krank machende Keime sofort wirkungsvoll reagieren können. In Versuchen mit Tieren hat man gesehen, dass das darmassoziierte Immunsystem die Darmflora unbedingt braucht, um funktionieren zu können. In einem keimfreien Darm versagt die Körperabwehr.

Wie funktioniert die Verdauung?

Nach der Zerkleinerung der Nahrung mit den Zähnen wird der Speisebrei nach und nach weiter durch den Magen-Darm-Trakt transportiert und dabei immer wieder mit den Verdauungssäften durchmischt. Die Verdauungssäfte enthalten Enzyme, die Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in kleinere Grundbausteine zerlegen und so resorbierbar, also aufnahmefähig machen. Diese Endprodukte der Verdauung werden ebenso wie Wasser, Elektrolyte, Mineralstoffe und Vitamine über die Darmschleimhaut aufgenommen.

Darmflora Verdauung

Der Dünndarm ist mit seinen zahlreichen Enzymen das eigentliche Hauptorgan der Verdauung. Hier wird die Nahrung soweit wie möglich in verwertbare und unverwertbare Bestandteile aufgespalten. Mit dem Abstand zum Magen steigt auch die Anzahl der Bakterien im Darm. Im Dünndarm siedeln u. a. Laktobazillen.

Der Dickdarm ist der letzte Teil des Magen-Darm-Trakts. Er ist besonders dicht mit Mikroorganismen der Darmflora besiedelt. Hier finden z. B. Bifidobakterien – aufgrund des zum Magen und Dünndarms vergleichsweise weniger sauren Milieus (höherer pH-Wert) – optimale Lebensbedingungen. Seine Aufgabe ist hauptsächlich die Eindickung des Darminhalts und die Aufnahme weiterer Stoffe in den Blutkreislauf: vor allem Wasser, Elektrolyte und kurzkettige Fettsäuren.

Information

Wie groß ist der Darm?

Der Darm ist darauf ausgelegt, eine möglichst große Oberfläche zur Aufnahme von Nährstoffen zu schaffen. Bei Erwachsenen erreicht der Darm eine Länge von sieben bis neun Metern und hat eine Fläche von 400 Quadratmetern. Zum Vergleich: Die Fläche der Haut ist gerade einmal zwei Quadratmeter groß.

Darmflora Darmlänge

Was haben Allergien mit der Darmflora zu tun?

Darmflora Allergien

Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem und kann es sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es hat sich gezeigt, dass eine möglichst frühe Auseinandersetzung von Verdauungstrakt und Immunsystem mit der Umwelt sehr wichtig ist, um Allergien vorzubeugen.

Nach der Geburt muss das Immunsystem erst lernen, fremde Stoffe, die mit der Nahrung (oder z. B. auch beim Stillen) aufgenommen werden, als harmlos oder gesundheitsschädlich einzustufen. Je früher und vielfältiger die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stoffen aus der Umwelt stattfindet, desto schneller kann das Immunsystem reifen und zwischen „gut“ und „schlecht“ unterscheiden. Wenn sich aber bei Kindern die Entwicklung bestimmter Immunzellen oder der Darmbarriere verzögert, besteht z. B. ein erhöhtes Risiko für Nahrungsmittelallergien.

Auch andere allergische Erkrankungen, z. B. allergische Reaktionen der Haut, stehen in Verbindung mit dem Immunsystem im Darm, da alle Informationen, die das Immunsystem im Darm über bestimmte Stoffe erhält, auch auf den gesamten Organismus übertragen werden. Für die Ausbildung von Allergien gibt es aber immer mehrere Ursachen. Auch die Gene spielen neben der Entwicklung des Immunsystems eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus gibt es wissenschaftliche Hinweise, dass durch den Verzehr probiotischer Milchprodukte in der Schwangerschaft und frühen Kindheit ein Schutz gegen eine Vielzahl allergischer Krankheiten wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma aufgebaut werden kann. So konnte z. B. nachgewiesen werden, dass Probiotika einen präventiven Effekt bei Neurodermitis (atopisches Ekzem) haben und das Ekzemrisiko bei Einnahme bestimmter Bakterienstämme um 21% gesenkt werden konnte. Auch Präbiotika tragen zu einem positiven Effekt bei. Zu konkreten Präparaten fragen Sie bitte Ihren Hausarzt oder Apotheker.

Wie kann ich durch meine Ernährung
für einen gesunden Darm und ein starkes
Immunsystem sorgen?

Darmflora Ernaehrung

Speziell für das Verdauungssystem sind eine kontinuierliche und ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf häufig wechselnde Ernährungsweisen oder Diäten wichtig. So bleibt der Darm gesund und ein stabiles Gleichgewicht der Darmflora wird erreicht.

Milchsäurehaltige Lebensmittel

Speziell für die Darmflora ist milchsäurehaltige Nahrung und Nahrung, die Milchsäure produzierende Bakterien enthält, sehr zu empfehlen. Dazu gehört u. a. Naturjoghurt, Kefir, Buttermilch oder Sauerkraut. Dies führt zu einer gesünderen und stabileren Besiedelung von natürlichen Mikroorganismen im Darm, wodurch Krankheitserreger sich nicht zu sehr ausbreiten können.

Ballaststoffreiche Ernährung und viel trinken

Unverdauliche Pflanzenfasern und Wasser sind das A und O für einen gesunden Darm. Die unverdaulichen Fasern in Getreide, Gemüse und Obst sorgen dafür, dass sich der Darm bewegt und den Speisebrei voranschiebt. Die Ballaststoffe tragen im Dickdarm zur nötigen Füllung bei, die am Schluss das Signal „entleeren" auslöst. Nur wer viel trinkt, spürt die volle Wirkung. Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe sollten es täglich sein, 40–50 Gramm sind besser. Sie stecken in allen pflanzlichen Lebensmitteln direkt unter der Schale. Ballaststoffe schützen den Darm auch, indem sie Schadstoffe binden und schnell abtransportieren.

Am meisten Ballast liefern:
Weizen 45g auf 100g
Mandeln 15g auf 100g
Apfel, Banane, Birne 3g auf 100g
Leinsamen 35g auf 100g
Müsli, Haferflocken, Vollkornbrot 10g auf 100g
Kartoffeln, Lauch, Karotten 3g auf 100g
Darmflora Ballaststoffe

Und denken Sie daran: Auch Ihr Darm halt Nachtruhe – vermeiden Sie spates, üppiges Essen.

Präbiotische Lebensmittel

Präbiotika sind besondere, wasserlösliche Ballaststoffe (z. B. Inulin, Oligofructose, Pektine). Sie gelangen in den Dickdarm, werden dort hauptsächlich von Bifidobakterien als Nahrung genutzt und fördern so deren Wachstum. Sie kommen beispielsweise natürlich in Zwiebelgewächsen, Schwarzwurzeln, Artischocken, Spargel, Zichorien, Roggen, Weizen, Hafer und Bananen vor.

Information

Ist zu viel Gemüse ungesund?

Aktuell wird in manchen Medien diskutiert, dass „zu viel“ Gemüse eine Ursache für zunehmende Verdauungsprobleme in der Gesellschaft sein könnte. Renommierte Wissenschaftler vertreten dagegen die Meinung, dass viel Zusatzstoffe, synthetische Süßstoffe und Antibiotika in Lebensmitteln die Ursachen für Verdauungsprobleme sind, und diese sollten so weit wie möglich vermieden/reduziert werden.

Frisches sowie möglichst unbehandeltes Obst und Gemüse sollten bevorzugt werden. Sie enthalten zudem neben wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen auch Antioxidantien und natürliche Präbiotika.